Wildkraut und Stadtnatur

Fabelhaftes und Kulinarisches vom Wegesrand

Sommer im Glas: das Kräutersalz

Diesen Sommer habe ich viele Küchen und Wildkräuter gesammelt und getrocknet. Die kleinen Sträußchen, die bei uns überall herumhingen, sind bei der Hitze besonders schnell getrocknet. Eine besondere Freude ist es immer, die frischgetrocknete Kräuterernte des Sommers gleich weiterzuverarbeiten. Eine wunderbare Möglichkeit ist das herstellen eines Kräutersalzes. (Kräutersalz lässt sich aber natürlich auch zu jeder anderen Jahreszeit mit getrockneten Kräutern herstellen.)

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Hier kommt nun also mein „Rezept“ oder vielmehr meine „Anleitung“ für Kräutersalz.

In einem Mörser werden grobes Meersalz und die Kräuter vermischt. Mit dem Pistill wird die Mischung zerrieben. Ich schütte die Mischung durch ein feines Sieb (das ich sonst zum Abtropfen von Reis verwende) in eine Schüssel. Der Teil, der durch das Sieb rieselt ist nun schon fertig. Den Rest (große Salzkörner und Kräuterstücke) gebe ich zurück in den Mörser. So füge ich nach und nach Salz und Kräuter hinzu.

Wichtiger Tipp: Der Mörser sollte nicht zu voll sein. Mehr als auf dem untenstehenden Bild sollte es nicht sein. Es geht deutlich schneller, wenn nur wenig auf ein Mal gemörsert wird.

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Für mein mediterranes Lieblingssalz verwende ich
Oregano,
Salbei,
Rosmarin und
Thymian.

Aber es sind so viele Variationen möglich. Fügt einfach nach und nach verschiedene Kräuter hinzu, bis euch der Geruch, der beim Mörsern aufsteigt, zusagt. Ihr werdet sehen, das macht Spaß und Appetit!

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Und warum nicht mal ein Wildkräutersalz ausprobieren? Schafgarbe (Achillea millefolium) oder Bärwurz (Meum athamanticum) beispielsweise geben dem Salz einen tollen Geschmack.

Neues vom Islandschaf

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Islandschafe gelangten mit den Wikinger auf die gleichnamige Insel. Sie sind sehr robust und an das karges Land und das raue Klima angepasst.

Tiere genießen von Frühjahr bis Herbst ihre Freiheit. Das heißt aber auch, dass sie für sich selbst sorgen müssen und anderen Gefahren ausgesetzt sind als Schafe, die mit einem Hirten in einer großen Herde umher ziehen. Islandschafe haben einen weniger ausgeprägten Herdentrieb als andere Schafrassen und sind sehr eigenständig. Die Mutterschafe sind oft mit ihrem Nachwuchs alleine unterwegs. Gelegentlich tun sich auch mehrere dieser „Kleinfamilien“ zusammen.

Im Herbst, meist im September, findet alljährlich die „Réttir“ statt. Dieses Großereignis entspricht unserem Almabtreib. Dabei werden gemeinschaftlich alle Schafe eines Bezirks ins Tal getrieben. Erst im Tal werden die Tiere in eigens dafür konstruierten Gehegen auf die unterschiedlichen Besitzer aufgeteilt.

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Das Islandschaf wurde nicht auf eine bestimmte Fellfarbe hin gezüchtet. Neben Tieren mit weißem Fell findet man daher auch oft graue, schwarze, braune oder zweifarbige Tiere. Verspinnt man die mehrfarbige Wolle, so entsteht ein meliertes Garn. Das selbstgesponnene Garn, das unten ein Mal auf der Haspel und ein mal im Detail zu sehen ist wurde aus der Wolle von Islandschafen hergestellt.

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Am 29.8.2015 können Kinder beim Natur- und Tiererlebnishof Opfingen e.V. erleben und ausprobieren, wie die Wolle von Schafen verarbeitet wird und mit den Schafen des Hofes auf Tuchfühlung gehen. Nähere Informationen zur Veranstaltung und zur Anmeldung gibt es hier.

Luftiges Panorama

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Endlich wieder Bergluft schnuppern!

Wir sind am Wochenende vom schönen Münstertal im Schwarzwald auf den Belchen gewandert und wieder zurück. Den Aufstieg haben wir uns mit wilden Himbeeren und Heidelbeeren versüßt. Erstaunlich, wie schnell man von Köstlichkeit zu Köstlichkeit voran kommt.

Auf dem Gipfel angekommen gab es zur Belohnung nicht nur einen tollen Rundumblick von der Rheinebene über den Feldberg und andere Schwarzwaldberge bis hin zu den Alpen. Die Schwüle des Tales und der Stadt für eine Zeit lang gegen erfrischenden Wind einzutauschen war einfach großartig nach der Hitze der letzten Wochen!

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Mein ganz persönliches Highlight war jedoch eine Weide auf dem Rückweg beziehungsweise das Schauspiel, das sich darüber abgespielt hat. Drei Milane nutzten die Aufwinde am Hang für ihre kunstvollen Flugmanöver und gefühlt fünfzig Schwalben jagten dicht über der Wiese nach Insekten und füllten die Luft mit ihren Rufen. Je länger wir auf der Wiese langen, desto weniger fühlten sich die Schwalben von uns gestört und flogen immer dichter über unsere Köpfe hinweg. Ich hätte ihnen den ganzen Nachmittag zuschauen und lauschen können.

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Auch Wolle bekommt in der Sonne Farbe

Nur kaltgebeizte Wolle, Wasser, etwas Blauholz (Haematoxylum campechianum), ein Einmachglas und ganz viel Sonne auf dem Fensterbrett. Dann geduldig ein paar Wochen warten (der schwerste Teil der Übung).  Fertig!

Ich mag es lieber etwas kühler als die letzten Tage und Solarfärben ist für mich eine tolle Möglichkeit, mich bei der aktuellen Hitze auf den Winter zu freuen.

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Es ist so flauschiiiiig!

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Ein Federball auf Beinen?

Vor wenigen Wochen ist am Mundenhof wieder ein Straußenküken geschlüpft. Alfons (rechts) und Trudi (links) passen gemeinsam auf den Nachwuchs auf. Wie es sich für Strauße gehört, haben sie sich auch schon beim Brüten die Arbeit aufgeteilt. Das heißt bei Straußen auch: Nachtschicht für die Männer und tags brüten für die Frauen.

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Ein Baum für viele Fälle

Zur Zeit stehen die prächtigen Linden in voller Blüte. Das freut nicht nur die Bienen, die zahlreich die Blüten der Linde aufsuchen. Lindenblüten-Tee-Fans sammeln sich jetzt am besten einen Vorrat der duftenden Blüten und trocknen sie. In der Volksheilkunde wird der Tee unter anderem bei Erkältungen, Schnupfen, Husten und Bronchitis angewandt und soll fiebersenkend, schleimlösend, krampflösend, leicht harntreibend und schweißtreibend sein.

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Die Linde bereichert aber nicht nur unsere Hausapotheke. Sie hat auch kulinarisch viel zu bieten. Ihre jungen, hellen Blätter können bis Juni roh zu Salaten und anderen Speisen gegeben werden oder gekocht als Gemüse verarbeitet werden. Zum aromatisieren von Zucker, Süßspeisen oder für Sirup werden die Blüten verwendet. Wie alle Blüten enthalten sie die meisten Aromen, wenn sie um die Mittagszeit gepflückt werden.

Das homogene, helle Holz der Linde eignet sich wunderbar zum Schnitzen. Auch der weiche Bast (Schicht unter der harten Borke) wurde früher genutzt, um aus seinen Fasern z.B. Seile und Textilien herzustellen.

Der Weg bis zur nächsten Linde in deiner Nähe ist sicherlich nicht lang. In Mitteleuropa stand sie früher nicht nur in fast jedem Ort an zentraler Stelle – meist dem Dorfplatz – sie spielte auch im Leben der Menschen eine zentrale Rolle. Sie sollte den Brunnen schützen, unter ihr wurde Recht gesprochen, geheiratet oder auch einfach gefeiert und getanzt.
Man schätzt, dass eine Linde bis zu 1000 Jahre alt werden kannt. Nur zu schade, dass die Bäume uns nicht berichten können, was sich unter ihren stattlichen Blätterkronen alles zugetragen hat …

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Vegetarisches Hühnchenfleisch…

… wächst auf toten Bäumen.

Und wenn man Glück hat – wie ich letzte Woche – kann man es sogar mitten in der Stadt finden.

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Der Schwefelporling (Laetiporus sulfureus) zersetzt Holz und erzeugt dabei Braunfäule. Er ist hauptsächlich an Laubholz zu finden und bildet seine intensiv gelb-orangenen Fruchtkörper von Mai bis September.

Das „Fleisch“ des Schwefelporlings erinnert – richtig zubereitet – in Geschmack und Konsistenz an Hühnchenfleisch. Daher wird dieser Pilz im englischsprachigen Raum auch „chicken mushroom“ genannt.

Wenn ihr euch sicher seid, dass ihr einen Schwefelporling gefunden habt (bei Unsicherheit hilft der nächste Pilzsachverständige bestimmt gerne weiter) und diesen essen wollt, solltet ihr nur die jungen Fruchtkörper mitnehmen. Alte Fruchtkörper sind zu zäh. Der Pilz muss zunächst gut abgekochet werden, da er ein Gift enthält, das durch Hitze abgebaut wird. Anschließend könnt ihr damit alles anstellen, was ihr mit Hühnchenfleisch auch machen würdet.

Bei uns gab es ihn als Geschnetzeltes mit … Champignon-Soße.

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Startschuss in die Holunderblüten-Saison

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Diese Woche war es nun wieder so weit: Die ersten Scheindolden des Holunders haben ihre herrlich duftenden Blüten geöffnet!

Zu dieser Gelegenheit möchte ich mein einfaches und beliebtes Rezept für Holunderblüten-Apfel-Gelee mit euch teilen.

Ihr braucht neben sauberen Schraubgläsern folgende Zutaten:
1 Liter (Bio-)Apfelsaft
500 g Gelierzucker 2:1
1 Sträußchen Holunderblüten

Wie viel ein „Sträußchen“ Holunderblüten sind? Je nach dem, wie intensiv ihr den Geschmack haben wollt, können das 6-10 Scheindolden sein oder eben so viele ihr in eurem Apfelsaft unterkriegt.

Und so einfach geht’s: Zunächst werden die Holunderblüten über Nacht in den Apfelsaft eingelegt. Dazu braucht ihr die Blütchen nicht von den Stielen zu trennen. Ich fülle den Apfelsaft in eine Schüssel und lege meine Blüten dann einfach so hinein, dass die Stiele noch aus dem Saft rausschauen. Am nächsten Tag könnt ihr den Saft durch ein feines Sieb in einen großen Topf schütten, gebt den Gelierzucker dazu und braucht das Ganze nur noch nach Packungsangabe eures Gelierzuckers aufzukochen. Dann nur noch in die Gläser füllen, abkühlen lassen und genießen.

Solltet ihr mehr Blüten geerntet haben, als ihr zu Gelee verarbeiten könnt oder wollt, dann werft die restlichen Blüten bloß nicht weg. Trocknet sie lieber an einem luftigen, schattigen Ort, so könnt ihr den Holunderblütenduft das ganze Jahr über als Tee oder Teemischung genießen.

Schön und lecker

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Das Garten-Silberblatt (auch Silberling oder Mondviole genannt) Lunaria annua findet sich als dekorative Pflanze in vielen Gärten, ist aber auch oft verwildert an Böschungen und Wegrändern zu finden. Schmetterlinge und Bienen besuchen gerne die violetten Blüten dieser zweijährigen Pflanze. Auch wenn das Silberblatt längst verblüht ist und seine Samen schon ausgebreitet hat, ist es immer noch äußerst dekorativ und wird gerne für Trockengestecke genutzt.

Nicht nur für das Auge sondern auch für den Gaumen hat das Silberblatt seinen Reiz. Junge Blätter und Stängel können gegart oder roh verzehrt werden und auch die Blüten können als essbare Dekoration verwendet werden. Mein Favorit sind jedoch die zarten, grünen, noch nicht ausgereiften Früchte, die Schötchen. Sie sind herrlich knackig und haben einen feinen Geschmack, der mich an Senf erinnert.

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Ein Bild der silbrig schimmernden, durchscheinenden Innenwände der Schötchen reiche ich nach, wenn mein Silberblatt in einigen Wochen so weit ist. Versprochen!

Kreislauf der Natur

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Eigentlich sollte bei der Pilzexkursion am Wochenende um holzzersetzende Pilze gehen, die sich wie der Pilz in diesem alten Fichtenstamm von Zellulose ernähren und damit Braunfäule am Holz erzeugen. Hier hat jedoch die nächste Generation dem alten Stamm die Schau gestohlen. Ganz klein und zwischen Moosen und Flechten doch schon ganz groß scheint diese junge Fichte.

Kadaververjüngung sagt der Förster dazu. Wunderschön und zauberhaft sage ich.

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